Katholische Kirchengemeinde St. Stephanus, Meerbusch–Lank-Latum,    in der Pfarrei Hildegundis von Meer
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Kopfgrafik St. Stephanus

 


Geschichte von St. Stephanus, Meerbusch Lank-Latum

  

 

 

 Die Wurzeln unserer Kirche und Pfarre reichen weit in die Vergangenheit. Mit ziemlicher Sicherheit lässt sich sagen, dass unter den römischen Legionären Christen waren und die Franken die ersten Andachtstätten bauten. Die St. Stephanus-Gemeinde hat in ihrer langen Geschichte ruhige und bewegte Zeiten erlebt, Frieden und Kriege, christliche Friedfertigkeit und heftige Streitigkeiten.

  

 Die ersten Christen kamen mit den Römern, die im nahen Gelduba (Krefeld-Gellep) ein Militärlager unterhielten. In der Umgebung entstanden auch größere Landgüter (villae rusticae). Selbst wenn eine kontinuierliche Besiedlung und gar Bewirtschaftung nicht sicher ist, lassen römische Gefäßfunde vermuten, dass der als „Burg“ überlieferte Fronhof (Herrenhof) in Lank auf ein solches Gut zurückgeht oder an seiner Stelle errichtet wurde.

 

Auf dem westlich der heutigen Kirche auf einer hochwasserfreien Anhöhe oberhalb eines alten Rheinarmes, des Langenbruchbachs, gelegenen Hof, dessen Reste erst um 1830/40 niedergelegt wurden, könnte die Lanker Urkirche als Privat- oder „Eigenkirche“ der fränkischen Grundbesitzer gestanden haben, vielleicht zunächst als einfacher Gebetsraum (Oratorium) oder schon als (hölzerne?) Kapelle. Der Eigentümer stattete die Kirche nicht nur mit Pfründen aus, sondern bestellte, besoldete und entließ auch „seine“ Priester.

 

  

 

Christianisierung am linken Niederrhein


  

 Eindeutige Belege einer Kirche in Lank sind erst ausgangs des 12. Jahrhunderts zu finden. Damals war die romanische Kirche wohl schon errichtet oder im Bau, und das Eigenkirchenwesen ging nach dem Investiturstreit in das Patronat über. 1176 werden urkundlich ein Gefhardus (Gerhard) als „Priester von Lank“ (sacerdos de lancho), 1190 die Pfarrei Lank und 1202 der Fronhof als Kaiserswerther Besitz urkundlich erwähnt.
Doch als der angelsächsische Missionsbischof Suitbertus um das Jahr 700 auf Veranlassung und durch Schenkung Pippins II. auf der Insel Kaiserswerth ein Benediktinerkloster gründete, war der linke Niederrhein weitgehend christianisiert.
Ob, wann und von wem der Fronhof an das Kloster überging, ist ebenso wenig geklärt wie die Frage, ob von dort der Bau jener Kirche ausging, deren Fundamente kürzlich (2002) archäologisch nachgewiesen wurden. Ihr Alter ist noch nicht genau datiert. Vieles spricht dafür, dass sie bis in das 8. Jahrhundert. zurückreichen.

 

  

 

Die Ausbildung zur Pfarrkirche


  

 Die Ausbildung zu einer „Vollkirche“ mit allen Funktionen fiele damit in die Zeit, als die – inzwischen christlichen – Bestattungen im fränkischen Gräberfeld Gelleps aufhörten. Sie waren nur noch bei Kirchen erlaubt. Die Bevölkerung nahm zu; dörfliche und kirchliche Strukturen entstanden. Um diese Zeit breitete sich das Stephanus-Patrozinium, vom Adel und den Benediktinern gefördert, auch im östlichen Frankenreich aus. Gerade der eigentliche Titel der Lanker Kirche, die „Auffindung der Gebeine des hl. Stephanus“ (Inventio S. Stephani), stützt die Annahme hohen Alters.
Deshalb wurde bis 1960 in Lank das Patronatsfest am 3. August gefeiert, dem legendären Datum der Auffindung der Reliquien des Erzmärtyrers im Jahr 415.

 

Ein weiteres Indiz für die frühmittelalterliche Pfarrgründung ist die ursprünglich bis nach Linn und Oppum reichende Ausdehnung des Sprengels.
Er bestand schließlich aus folgenden Kapellengemeinden: Kierst (St. Martin), Nierst (St. Cyriakus und Laurentius), Ossum (St. Pankratius) und Strümp (St. Amandus und Vedastus). Wie für Kierst sind 904 in Gellep und Ilverich Außenstationen (cellulae) der Kaiserswerther Abtei bezeugt. Die damit vermutlich verbundenen Kapellen konnten aber bisher in Ilverich und Gellep nicht aufgespürt werden. Es sei denn, dass die um 1990 ausgegrabene „Alde Kerck“ in Alt-Linn mit der Gelleper cellula identisch ist. Dabei sind diese Kapellen – was nicht nur ihre frühchristlichen Patrone nahe legen – teils vielleicht noch älter als die Lanker Kapelle oder Kirche. Damit sind sie nicht als Tochtergründungen einer „Mutterpfarre“ in Lank anzusehen, sondern ebenfalls als Eigenkirchen ihrer Grundherrschaften errichtet und dotiert. Dass sich allein die Lanker Kirche zur Pfarrkirche entwickeln konnte, wird mit der zentralen Lage sowie der größeren Machtstellung und Wirtschaftskraft des Fronhofes begründet.

  

 

 

Das Patronatsrecht des Kaiserswerther Stiftes


  

 Nachdem das Kaiserswerther Kloster zwischen 900 und 1100 in ein Kanonikerstift umgewandelt worden war, verschaffte es sich auch linksrheinisch immer mehr Besitz und Rechte, die größtenteils am Fronhof hafteten. Als der Kölner Erzbischof dem Stift 1190 u.a. gestattete, den aus Laienhand zurückgekauften alten Lanker Zehnt zur Aufbesserung der Stiftspfründe zu verwenden, war die Lanker Kirche dem Stift bereits inkorporiert. Auch aus diesem Privileg lässt sich mittelbar das hohe Alter der Pfarrkirche ableiten. Als Grundherr und als Pfarrherr übte das Stift bis zur Säkularisierung weltliche und geistliche Funktionen aus, deren komplizierte Verflechtung naturgemäß zu Interessenkollisionen und Rechtsstreitigkeiten führte.

 

Wie streng und wie lang das Kaiserswerther Kapitel sein Kollations- und Patronatsrecht, also hauptsächlich die Ernennung des Lanker Pfarrers, durchsetzte, ist nicht durchgehend bekannt. So wird auch nicht immer deutlich, inwieweit ein Kanoniker (Kantor) selbst die Rechte und Pflichten eines Pfarrers in Lank wahrnahm oder sich in der Seelsorge vor Ort durch einen „Leutepriester“ (plebanus oder vicarius) vertreten ließ. Konflikte ergaben sich auch bei der Zuständigkeit für den Unterhalt und die Baulasten der Kirchen sowie aus der Sonderstellung der freien Herrlichkeit Nierst, über die bis 1802 das Kloster Meer das Patronat hatte. Das Pfarrhaus von St.Stephanus stand bis 1827 in Latum.

 

  

 

Ein eigenes Dekanat für Meerbusch


  

 Seit 1176 bis in die Neuzeit taten – nahezu lückenlos nachgewiesen – 36 Pastoren an
St. Stephanus ihren Dienst. Die Rektorate oder Vikarien haben seit den 1980er Jahren keine eigenen Priester mehr. Heute gehören zum alten Kirchspiel Lank noch die Vikarien Nierst, Langst-Kierst und Ossum-Bösinghoven. Letztere wird seelsorglich vom Strümper Pfarrer mitversorgt. Nachdem Gellep-Stratum 1924 – zunächst mit einer Notkirche – Rektorat wurde und 1929 aus dem Amt Lank zur Stadt Krefeld eingemeindet worden ist, wurde es 1955 auch von der Pfarre St. Stephanus abgetrennt und zur selbständigen Pfarre St. Andreas erhoben. Strümp wurde 1964 ausgepfarrt. Die neue Kirche übernahm nicht das alte Doppelpatrozinium St. Amandus und Vedastus, sondern wurde dem hl. Franziskus von Assisi geweiht.
Nach Gründung der Stadt Meerbusch 1970 wurde Meerbusch ein eigenes Dekanat, aber ohne Büderich, das beim Erzbistum Köln verblieb.
Dechant
ist derzeit der Pfarrer von St. Stephanus.

 

  

 

Unsere Kirche heute


  

  Sieht man von einem ersten kleinen, zum Fronhof gehörigen Gotteshaus ab, so ist an heutiger Stelle der dritte Kirchenbau errichtet. Das möglicherweise schon in die vorkarolingische Zeit reichende erste Gebäude wurde Anfang des 12. Jahrhunderts durch eine größere Kirche im romanischen Stil ersetzt. Nach schweren Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurde das Langhaus großenteils erneuert und vermutlich auch erweitert. Als auch diese barock ausgestattete Kirche zu klein und baufällig geworden war, schuf man 1841-44 die heutige Kirche als dreischiffige Basilika im klassizistischen Rundbogenstil und riss das alte Langhaus ab. Der sechsgeschossige quadratische romanische Turm konnte erhalten werden. Um ihn ist das neue, mehr als doppelt so große Schiff um 90º nach Süden versetzt, so dass die Ausrichtung nach Osten aus Platzgründen aufgegeben werden musste. Bauleitender Architekt war der Krefelder Stadtbaumeister Heinrich Johann Freyse, der sich an der von Johann Baptist Cremer gebauten Lambertus-Kirche in Heinsberg-Dremmen zu orientierten hatte. Die Schäden des Zweiten Weltkrieges konnten repariert werden. Der Turm wurde mehrfach restauriert, zuletzt von Grund auf einschließlich der wertvollen Glockenanlage im Jahr 2002.

 

Die 1844 von Wilhelm von Schadow eingereichten Vorschläge zur inneren Ausschmückungder Kirche konnten nur zu einem geringen Teil und das auch nur dank großzügiger Stiftungen der Adelsfamilie von Hallberg auf Haus Pesch schrittweise verwirklicht werden. Aus der Vorgängerkirche stammen nur das Taufbecken von 1752 und die Holzfigur des hl. Stephanus. Andere Einrichtungen wurden auch später noch dem Zeitgeschmack geopfert, etwa die um 1900 nachgeholte Ausmalung. Aus dieser Zeit stammt auch der Altarbaldachin, ein Geschenk der Eheleute von Arenberg.

 

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Kassettendecken sowie die Buntfenster von Hans Lohbeck aus der Mitte des 20. Jahrhundert. 1977 fiel der Marienaltar einem Krippenbrand zum Opfer. Die dadurch notwendig gewordenen umfangreichen Renovierungen führten zur Umgestaltung des Altarraumes im Sinne der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils. Für das beim Krippenbrand zerstörte Marienbild wurde 1987 von dem süddeutschen Künstler Walter Habdank im alten Rahmen ein neues Bild gemalt mit dem Titel: „Was er euch sagt, das tut“ (in Anlehnung an den Text von der Hochzeit zu Kana). (Die Kirche ist vormittags - außer Montag - zu besichtigen.

Führungen sind nach Absprache möglich.)

 

 

 

Siegfried Scharbert

 

  




Hinweis:  

Siegfried Scharbert erstellte den hier wiedergegebenen Text zur Geschichte von St. Stephanus vor dem Zeitpunkt der Gründung der Pfarrei Hildegundis von Meer. Diese erfolgte im Januar 2010 durch Zusammenschluss aller Gemeinden des 1970 gegründeten Dekanats zu der neuen Pfarrei.

Bei einer in Zukunft vorgesehenen Überarbeitung und Aktualisierung der vostehenden Fassung zur Geschichte von St. Stephanus werden die mit der Gründung der neuen Pfarrei erfolgten Änderungen für St. Stephanus  berücksichtigt werden. 






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